Rene AebiFünf ist besser als gut

Am Graubündner und am Walliser – Kantonalgesangfest erprobte der SCV ein neues Bewertungssystem.
Grund war, dass für genügende Resultate nur vier Prädikate, bzw. Stufen zur Verfügung standen, nämlich „vorzüglich“ – „sehr gut“ – „gut“ – „genügend“. Auf Dauer war das unbefriedigend, sowohl die Chöre wie die Experten wünschten sich eine feinere Abstufung. Dies vor allem auch deshalb, weil das „gut“ von den meisten Chören schon als „schlecht“ empfunden wurde.

Das neue System sieht nun vor, statt Worte Punkte zu vergeben: 6 – 5.5 – 5 – 4.5 – 4 – 3.5.
Betrachtet man 3.5 als „ungenügend“ ergibt sich eine feinere Nivellierung nach oben. Wenn das nächstbessere Prädikat nach „genügend“ ein „gut“ war, heisst das, dass die 5 nun besser ist als „gut“.

Zudem hat das Graubündner Kantonalgesangsfest gezeigt, dass sich die Bekanntgabe des Prädikates, bzw. der Punktzahl während des Gespräches sehr positiv auf die Beurteilung ausgewirkt hat. Es ist einfacher, einem Chor zu sagen, wie viele Punkte er erreicht hat, das in der Folge zu begründen und Tipps zur Verbesserung zu geben. So kann sich der Chor nicht einreden, nicht recht gehört zu haben, und die Experten können sich nicht hinter irgendwelchen Floskeln verstecken.

Ich durfte in Chiavenna bereits mit dem neuen Punktesystem arbeiten und es hat mich sehr überzeugt. Auch die anderen Expertinnen und Experten fanden es erleichternd, die Punkte am Gespräch bekannt geben zu können.

Allerdings schützt dies die Chöre nicht vor einer Beurteilung, die ihnen vielleicht nicht immer gefällt. Deshalb gilt für mich nach wie vor: Wenn ein Chor eine Kritik nicht akzeptieren kann, dann lieber auf das Prädikat verzichten und nur ein konstruktives Gespräch mit dem Experten anstreben. Falls es ein Chor genau wissen will, steht der Weg zum Schweizerischen Chorwettbewerb allen offen. Es wäre schön, auch dort mehr Chöre zu hören, die sich der Jury stellen.

René Aebi
Kantonaldirigent